Mit der GS auf der Reutlinger Alb

Kurvenjagd quer durch den Süden zum Schwarzwald

Auf Kurvenfahrt in Süddeutschland – unser Ziel ist wie immer, auf möglichst kleinen Straßen landschaftlich schöne Strecken mit dem Maximum an Kurven zu finden. Im September starten wir also bei fantastischem Spätsommer-Wetter auf einen Wochenend-Trip in Richtung Schwarzwald. Geplant habe ich die Tour wie immer auf der Seite www.kurviger.de.

Die Hinfahrt ab München durch Schwaben, Alb und Neckartal

Wir verlassen bei Memmingen die Autobahn und begeben uns auf kleinsten Straßen durchs Schwabenländle. Schon nach wenigen Kilometern sind die Straßen kaum mehr breiter als ein Handtuch und teilweise nicht mal mehr geteert. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt rapide und wir hoffen, nicht signifikant über die eingeplanten 6-7 Stunden reine Fahrzeit zu kommen.

Wahnsinn – die Obstbäume sind heuer rappelvoll mit Früchten! Immer wieder müssen wir scharf abbremsen, weil eingematschtes Obst die Straße verschmiert!

Das erste absolute Highlight kommt dann in etwa zwischen Munderkingen und Münsingen – das Große Lautertal!

Nähe Münsingen im Großen Lautertal
Nähe Münsingen im Großen Lautertal

Langgezogene Kurven, zahllose Burgruinen malerisch thronend auf den karstigen Bergen, nur mittelalterliche Dörfchen unterbrechen den Flow… Allerdings auch immer wieder Warnschilder, die mit Streckensperrung drohen, sollten sich die Biker nicht im Zaum halten können. Wir bemühen uns redlich, die Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuhalten…

Am Bahnhof Kohlstetten
Am Bahnhof Kohlstetten

Kurz verschnaufen, jetzt gibt’s eine Pause. In Kohlstetten hat genau heute das Bahnhofsrestaurant wieder aufgemacht – wir sind Gäste Nr. 3 und 4. Wir gönnen uns Burger und Schorle, den Begrüßungs-Sekt müssen wir leider ablehnen, denn wir ahnen schon, was uns gleich erwartet…

Kurz vor dem Ort Lichtenstein biegen wir links ab – ohne Navi findet man das nie. Eine winzige, teils frisch geteerte, teils extrem rustikale Straße zieht steil nach oben weg! Einfach irre!

Auf der Reutlinger Alb unterwegs
Auf der Reutlinger Alb unterwegs

Wir passieren Genkingen, Gönningen und weitere klitzekleine Orte, dann geht es runter nach Mössingen – nur um gleich wieder über steile Wald- und Wiesenstraßen steil auf den Heuberg hochzukurven. Es geht richtig zur Sache!

Fernblick auf der Reutlinger Alb
Fernblick auf der Reutlinger Alb

Nach Beuren noch die Kehren ins Tal, dann nutzen wir bis Haigerloch erstmal die breite Landstraße. Irgenwann müssen wir schließlich auch mal Strecke machen…

Bei Sulz queren wir das Neckartal. Die Reliefenergie nimmt wieder zu, wir nähern uns dem Schwarzwald. Südlich von Freudenstadt treffen wir schließlich auf die Schwarzwald-Hochstraße.

Beim einer kleinen Ansammlung von Häusern namens Walke biegen wir in Richtung Nordwesten ab, um unmittelbar danach erneut auf einen Zubringer zu einem Bauernhof zu fahren. Sind wir hier noch richtig? Zwischen Stall und Wohnhaus tasten wir uns vor, ja, der Weg geht weiter. Breit wie ein Handtuch, mehr Löcher als Teer, aber alles legal. Wir trauen uns kaum weiter – irgenwann muß doch das Gesperrt-Schild auftauchen? Es kommt aber nicht. Unglaublich, was man hier alles noch fahren darf! Wir passieren das Wandergebiet Brandenkopf, seit etwa 20 Minuten haben wir kein Fahrzeug mehr gesehen.

Das Ziel kommt irgendwann doch in Sicht – es geht steil bergab nach Zell am Harmersbach und wir erreichen unsere Unterkunft, den Gasthof “Grüner Hof” im Ortsteil Grün.

Unsere Unterkunft

Man sitzt sehr nett im Garten, das Essen schmeckt, das Bier ist hervorragend. So genießen wir den Abend und resümieren die Tour. Unser Zimmer liegt leider ebenerdig und unmittelbar an der Straße,  gefühlt fahren die Autos direkt vor dem Bett vorbei. Gut, dass in dieser Gegend ab Mitternacht kein Mensch mehr unterwegs ist…  Alles wirkt ein bisschen angegraut und im Stil der achtziger Jahre, etwas old-style halt. Das Frühstück ist aber dann wieder völlig o. k. Insgesamt ein gutes Preis Leistungsverhältnis.

Zurück durch Schwarzwald, Alb und das Schwabenland

Die ersten paar Kilometer geht’s  wieder hoch auf den Berg, so wie wir hergekommen sind.  Die erste Stunde ist dann ein schneller Wechsel zwischen kurzen Anstiegen auf winzigesten Bergstraßen und Abfahrten in superschmale Täler. Zurück auf größeren Straßen – wenn man die überhaupt so bezeichnen kann – treffen wir dann leider immer wieder auf die heute stattfindende Schwarzwaldrundfahrt für Rennradler, wir behindern uns blöderweise gegenseitig.  Nachdem wir diesen Konflikt  durch Abbiegen auf eine Nebenstraße, deren Bodenbeschaffenheit in kleinster Reise rennradtauglich ist, auflösen können,  läuft’s wieder “flott” dahin.

Nach gefühlten 10.000 weiteren Kurven werden die Berge deutlich niedriger und die seitlichem Gumminippel an meinem ehemals neuen Vorderreifen sind endgültig weggeschliffen.

Nettes Städtchen am Rande des Schwarzwald: Schiltach
Nettes Städtchen am Rande des Schwarzwald: Schiltach

Ein kurzer Stopp bei Schiltach; der Neckar wird bei Oberndorf überquert gequert und umgehend nervt ein sonntägliches Motorradverbot bei Balingen in der Alb massiv – wir müssen weit außenrum fahren. Was soll der Quatsch? Ist es hier gefährlicher als noch 30 Kilometer zuvor?

An der hier noch jungen Donau nimmt dann der Verkehr deutlich zu. Sonntag Mittag, schönes Wetter, Ausflugsverkehr… Die Straßen werden breit, die Durchschnittsgeschwindigkeit steigt, wir kommen gut voran. Wir biegen kurz darauf gen Südosten ab und passieren Messkirch, Pfullendorf, Aulendorf und viele Örtchen mehr.  Leider reduziert sich durch die großen Straßen auch der Funfaktor, wir kompensieren das mit Eis und Kuchen in der Alten Klostermühle in Rot an der Rot.

Noch ein Extra kurz vor Schluß

Nun die Qual der Wahl. Autobahn oder nochmal Kurven fahren? Wir entscheiden uns für Letzteres und bleiben in einem weiten südlichen Bogen der Schnellstraße fern und genießen nochmal knappe 2 Stunden die tolle Landschaft und exzellente Straßen. Fahrspaß pur! Bei Landsberg  schwingen wir uns dann doch auf die Autobahn, schließlich ist es bereits 19:00 Uhr. Zu Hause angekommen stehen dann stolze 900 km für die beiden Tage auf der Uhr!

Fazit: ungemein lohnenswerte Tour, Nachahmung wird dringend empfohlen! Auf der Karte könnt ihr euch die Strecken alle im Detail anschauen, darunter findet ihr die drei Etappen (Hinfahrt, Rückfahrt und das Extra von Aitrach nach Landsberg) zum Download als gpx.

Click title to show track
Hinfahrt von Berkheim nach Zell am Harmersbach
Rückfahrt von Zell am Harmersbach nach Aitrach
Extra von Aitrach nach Landsberg

 

Und hier die Dateien (in gezippter Form) zum Downloaden:
Quer durch den Süden zum Schwarzwald

Einfach den Ordner runterladen und entzippen – darin findet Ihr die drei gpx-Dateien.

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