Cuidad Perdida, die Verlorene Stadt

Kolumbien: Ciudad Perdida – Trekking durch den Dschungel zur Verlorenen Stadt

Für diejenigen, die die Strapazen auf sich nehmen, ist diese Mehrtages-Trekking-Tour in der Sierra Nevada de Santa Marta sicherlich eines der Highlights ihrer Kolumbienreise. Nur durch einen äußerst beschwerlichen Dschungel-Trail erreichbar, ist die Ciudad Perdida eine der größten wiederentdeckten präkolumbischen Städte Südamerikas. Wir besuchen sie im Rahmen unserer Kolumbien-Reise im März 2017. Während einer 4-Tages-Tour waten wir durch unzählige Gebirgs-Flüsse, überqueren schaukelnde Hängebrücken, durchwandern neblige Hochebenen, balancieren an schlammigen Steilhängen entlang… Bei Sonnenaufgang steigen wir am Morgen des dritten Tages die letzten 300 der ca. 1.500 Stufen durch den Urwald auf und blicken völlig erschöpft und überwältigt auf die Terrassen der Verlorenen Stadt und die Relikte einer seit gut 500 Jahren verschwundenen Kultur – aber der Reihe nach!

Wir buchen die Tour in Santa Marta…

…bei Magic Tour Colombia. Weitere lizensierte Anbieter sind Turcol, Expotur-Eco und  Guias y Baquianos.

Früher gab’s sogar touristische Touren mit dem Hubschrauber, das ist erfreulicherweise seit 2010 verboten. Und auf eigene Faust darf man heutzutage gar nicht losziehen. Das ganze Gebiet ist ein von der Regierung Kolumbiens deklariertes Indigenenland. Daher wählt man sich einen der offiziellen Anbieter aus sowie die gewünschte Dauer der Tour, der Rest wird komplett organisiert. Wir entscheiden uns für 4 Tage – kurz und knackig. Alternativ werden auch 5 oder 6 Tage angeboten.

Magic Tour Colombia Transport-Fahrzeug
Magic Tour Colombia Transport-Fahrzeug

Wir lassen uns direkt von unserer Unterkunft am Beach nahe des Tayrona Nationalparks abholen, Sonderservice quasi, und werden in ein Bergdorf namens El Mamey, genannt “Machete”, gekarrt. Schon allein diese Strecke führt uns über eine steile, mit Schlaglöchern übersäte und mit spektakulären Ausblicken gespickte, wild geschotterte Bergstraße weit in die Sierra Nevada hinein. Uns schwant schon, was in den kommenden Tagen so alles auf uns zukommen wird…

Trekking zur Cuidad Perdida
Trekking zur Cuidad Perdida

Dort werden wir an einem Restaurant im Ort von unserem einheimischen Führer und der Übersetzerin (Spanisch – Englisch) empfangen. Es fehlt der Rest der Gruppe? Die tauchen zwei Stunden verspätet dann doch noch auf, sie hatten bei der ihrer Auffahrt mit dem Toyota-Landcruiser einen Achsbruch und mussten auf das Ersatzfahrzeug warten. Na Klasse, geht ja schon gut los! Aber wir sind nun ab sofort komplett, zu zwölft, plus Guide und Übersetzerin.

Abmarsch in die Wildnis, Tag 1

Entsprechend verzögert brechen wir auf. Die Zeit muss wieder aufgeholt werden, wir gehen flott. Noch sind die Wege breit und wir begegnen Fahrzeugen, zumeist kleinen Motorrädern. Da wir unterwegs Verpflegung bekommen werden, tragen wir nur kleine Rucksäcke, in denen die Utensilien für die 4 Tagen reinpassen müssen.

Bergauf und bergab am Tag 1 des Trekkings
Bergauf und bergab am Tag 1 des Trekkings

Kontinuierlich schrauben wir uns nach oben, die Aussicht ist der Hammer. In der Ferne spitzt manchmal sogar das Blau der Karibik durch, die höchsten Gipfel des Gebirges bleiben jedoch verborgen hinten den tiefliegenden Wolken. Der Untergrund ist heute trocken, dafür sind wir aufgrund der schwülen Hitze umgehend vollständig durchgeschwitzt. Immer wieder erklimmen wir Steilrampen, um dahinter genauso steil wieder abzusteigen.

Flüsse müssen durchquert werden
Flüsse müssen durchquert werden

Erste Bäche werden gequert und bringen zwar eine kleine Erfrischung. Doch wir ahnen bereits jetzt, was da so alles auf uns zukommen wird…

 

 

Pause mit erfrischender Melone
Pause mit erfrischender Melone

Einheimische bieten (noch) alle paar Kilometer Erfrischungsgetränke an, wir sind gute Kunden. Selbst an Wassermelonen wird gedacht, alles sehr gut organisiert!

Wir treffen auf erste Kogi-Indianer
Kogi-Medizinmann (rechts)
Kogi-Medizinmann (rechts)

Auffallend in weiße Leinen-Kleider gehüllt, zumeist barfuß oder in Gummistiefeln. Wir haben großen Respekt. Sie leben hier wie noch vor 400 Jahren und sind vermutlich, das ist nicht vollständig geklärt, die Nachfahren der von den Spaniern fast vollständig ausgerotteten Tayrona. Sie konnten nur entkommen, weil sie damals in die Höhen der Sierra Nevada de Santa Marta flüchteten, welches mit 5.700 Metern das höchste Küstengebirge der Welt darstellt.

Selbst die Kinder tragen hier schon riesige Macheten, mit denen sie in den Tiefen des Urwaldes verschwinden und mit Kräutern und Pflanzen wie aus dem Nichts wieder auftauchen. Nicht von ungefähr betrachten die Kogi sich selbst als die “Hüter der Erde”.

Die Kogi stellen auch die Versorgung der Camps sicher, in denen die Touristen übernachten. Mit ihren Maultieren transportieren sie alle Lebensmittel zu den Lagern und jeglichen Müll wieder zurück.

Bergauf, bergab geht’s dahin
Das letzte Stück des Weges bringt Schwierigkeiten
Das letzte Stück des Weges bringt Schwierigkeiten

Nach äußerst anstrengenden 5 Stunden, der Tag geht zur Neige, erreichen wir trotz kleiner “Unfälle” – der eine oder andere ist beim Überqueren der Flüsse hineingefallen – unser Camp für die Nacht, das “Casa Alfredo”. Da es heute nicht voll ist, freuen wir uns auf Stockbetten anstelle von Hängematten. Unser Guide bringt für uns zusammen mit einem Koch ein erstaunlich delikates Essen zustande, und, kaum zu glauben, es gibt Bier! Selbstredend, dass ich dieses dem mit Tabletten entkeimten Flusswasser, das die Alternative wäre, vorziehe…

Wir lauschen im Bett liegend den Gesängen des Dschungels und schlafen entsprechend erschöpft sehr schnell ein.

Ein sehr langer Tag 2 steht bevor!

Tatsächlich etwas widerlich ist das Anziehen morgens. Die vollgeschwitzten Klamotten sind nämlich nicht getrocknet, alles ist kalt und klamm. Aber schon auf den ersten Schritten legt sich das, man beginnt erneut zu schwitzen und alles ist wieder so wie am Vortag.

Der Dschungel wird dichter

Die Kalorien des Frühstücks sind schnell verbrannt. Sehr steil geht’s bergauf, die Wege extrem schlammig von den intensiven Regenfällen der letzten Wochen.

Schlammige Wege zur Ciudad Perdida
Schlammige Wege zur Ciudad Perdida

Davon bleiben wir bis dato verschont. Die Sonne bricht durch den inzwischen dichten Wald, der Schatten tut gut! Der Vormittag bringt dann schon erste Flußüberquerungen, teils über Hängebrücken, aber auch barfuß müssen wir durch.

Hängebrücke über den Rio Buritaca
Hängebrücke über den Rio Buritaca
Besuch in einem Kogi-Dorf
Typische Rundhütten der Kogi-Indianer
Typische Rundhütten der Kogi-Indianer

Ein weiteres Highlight – wir erreichen ein Kogi-Dorf, das einzige auf unserem Weg. Unser Führer geht erstmal alleine rein und bespricht sich mit dem Vorsteher, ob unser Besuch gestattet ist – danach dürfen wir auch rein. Wirklich NULL Anzeichen von moderner Zivilisation. Kein Strom und damit natürlich auch keinerlei elektronische Geräte, Handys funktionieren ohnehin seit gestern schon nicht mehr. Alle, auch die Kinder tragen die traditionelle Kleindung, die Haustiere laufen alle frei herum.

Kogi-Indianerkinder
Kogi-Indianerkinder

Unser Guide klärt uns über die Bräuche der Kogi aufMan fühlt sich um Jahrhunderte zurück versetzt. Andererseits leben die Kogi hier dermaßen im Einklang mit der Natur, wie wir es uns als vermeintlich kultivierte Mitteleuropäer schon gar nicht mehr vorstellen können. Unglaublich, wieviel Wissen um Natur und deren Heilmittel hier noch schlummern…

Unser Guide erklärt einige Bräuche und über die Lebensweise der Kogi, ziemlich interessant, eine willkommene Pause für uns!

Am frühen Nachmittag dann endlich Pause

Im “Mumake-Camp” springen wir zur Abkühlung in den Fluß und machen Brotzeit. Aber nur kurz. Es liegt noch ein langer und beschwerlicher Weg vor uns.

Wilde Felsen am Rio Buritaca
Wilde Felsen am Rio Buritaca

Entlang des Rio Buritaca wird aus dem Weg ein Pfad, immer tiefer tauchen wir in den Dschungel ein, immer unwegsamer geht es voran. Wilde Felsformationen bestimmen das Flussbett, dauernd müssen wir queren, ob mit Brücken-Unterstützung oder einfach barfuss durchs Wasser.

Endlich im Nachtlager angekommen!

Fix und fertig erreichen wir das Paraiso Camp. Die Unterkuft ist fast schon luxuriös, ein massiver Holzbau mit Stockbetten. Wer zu spät kommt, muss in die Hängematte.

Auch hier wieder ein Fluss ein Stück unterhalb, wir springen sofort rein. Doch nur kurz, wir haben heute deutlich an Höhe gewonnen und das Wasser kommt nun direkt aus den hohen Bergen der Sierra Nevada de Santa Marta, entsprechend kalt ist es.

Abendessen, wieder zwei Bier statt Flusswasser und sofort ins Bett.

Tag 3: Der Aufstieg zur Verlorenen Stadt, der Ciudad Perdida

Um 5 Uhr morgens stehen wir auf. Mini-Frühstück und sofort geht’s los. Es ist stockfinster, zudem dichter Dschungel, wir gehen mit Stirnlampen. Nach gut 30 Minuten und einer intensiven Flussquerung stehen wir vor ihnen – den berühmten 1.200 Stufen hoch zur Verlorenen Stadt.

Auf den letzten Stufen hoch zur Ciudad Perdida
Auf den letzten Stufen hoch zur Ciudad Perdida

Die Müdigkeit ist weg! Die meisten starten schnell und werden vom eigenen Eifer rapide ausgebremst. Nach ersten Ausrutschern auf den bemoosten Stufen kehrt Vorsicht ein. Langsamer und aufmerksam geht’s weiter.

Dann das erste Plateau mit Siedlungsresten. Rast. Fotopause. Aber die Neugierde treibt uns schnell weiter.

Endlich ganz oben angekommen!

Und endlich, 300 waghalsige Stufen später, erreichen wir ausgepumpt den oberen, freien Bereich der Verlorenen Stadt. Als erste dieses noch jungen Tages. Noch nicht mal die Sonne ist da. Das ändert sich allerdings schnell und die Farben werden immer prächtiger. Wir sind wie in Trance. Und völlig fasziert von den unzähligen Grüntönen, die im morgendlichen Sonnenlicht funkeln.

Hoch über den Ausgrabungen thront eine kleine Militärbasis, von der aus Gelände und Touristen vor Grabräubern und Milizen gesichert werden sollen. Dorthin steigen wir auf und sind komplett überwältigt! Mitten im Nirgendwo, im undurchdringlichen Grün, extrem harte 2 1/2 Tage Fußmarsch von der Zivilisation entfernt liegt diese uralte Stadt; der Beiname “Verloren” passt hier ganz vorzüglich… Wir setzen uns hin und genießen eine Ewigkeit den herrlichen Ausblick.

Am höchsten Punkt der Verlorenen Stadt
Am höchsten Punkt der Verlorenen Stadt

Das Gelände ist riesengroß, wie wir dann weiter erfahren. An mehreren anderen Stellen wurde punktuell gegraben, wir besuchen auch diese, und lernen, dass es sich hierbei wohl nur um einen kleinen Bruchteil der ursprünglichen Stadtfläche handelt.

Dschungel-Feeling pur in der Ciudad Perdida, der Verlorenen Stadt
Dschungel-Feeling pur in der Ciudad Perdida, der Verlorenen Stadt

Vermutlich ruhen noch Dutzende weitere Städte, verschluckt vom immergrünen Dschungel und unentdeckt von Grabräubern hier in den Bergen. Die Ureinwohner dieser Region waren hervorragende Goldschmiede, und das, was die Spanier seinerzeit nicht eingeschmolzen und nach Europa verschickt haben, kann man hier noch im Museo del Oro, dem Goldmuseum, in Bogotá, oder seinem kleinen Ableger in Santa Marta bewundern.

Abstieg und Rückweg
Rutschige Dschungelpfade auf dem Rückweg zum Camp
Rutschige Dschungelpfade auf dem Rückweg zum Camp

Mittags sind wir wieder zurück am Camp. Es gibt eine Brotzeit, doch jetzt pressiert’s. Wir müssen nämlich noch den ganzen Weg zurück bis zum Mittagscamp des Vortags, dem Mumake. Ziemlich weit also. In dem Moment wünschen sich einige, sie hätten einen Tag extra genommen.

Schlammige Pfade am Steilhang
Schlammige Pfade am Steilhang

Zudem treffen wir nun auch auf erste massive Ausfälle einiger Teilnehmer anderer Gruppen – verdrehte Knöchel, kaputte Knie, Rückenbeschwerden usw.. Diese werden nun gestützt oder – ganz unangenehm – auf einem Maultier aus der Sierra raus transportiert. Und das 3 Tage lang!?! Da will keiner von uns mitmachen und wir gehen äußerst konzentriert weiter…

Die letzte Nacht und Tag 4

So, gestern Abend gab’s wieder Flusswasser, und in einem Fass haben wohl die Entkeimungs-Tabletten gefehlt. Folglich war nachts ziemlich was los auf der Toilette. Die Betroffenen konnte man morgens am fahlen Gesicht recht gut erkennen. Blöd nur, dass ein Verlassen des Weges tagsüber dann für sponane Notwendigkeiten kaum realisierbar ist – a) keine Lücken im Dickicht und wenn doch, b) diverses Getier, was damit vielleicht nicht einverstanden ist. Somit waren Immodium und Co. heute ziemlich gefragt. Gut, wenn man da wieder mal stattdessen zwei Bier eingestellt hatte!

Dschungel Pfade mitten in der Sierra Nevada de Santa Marta
Dschungel Pfade mitten in der Sierra Nevada de Santa Marta

Aber letztlich sind wir alle 12 wieder gut raus gekommen. Der letzte Tag war dann noch dazu der längste; mittags eine schnelle Mahlzeit im Alfredo Camp; Badestopp im Fluss kurz vor El Mamey.

Ziemlich witzig ist, wenn einem nun die Neuankömmlinge entgegen kommen. Frisch, motiviert, noch fit und ohne Blessuren. Genauso wie wir vor vier Tagen. Wenn die wüssten…

Vollgepumpt mit Glückshormonen und tatsächlich wie unter Drogen (was war da im Flusswasser sonst noch drin?) tröpfeln wir nach und nach in den Ort und sammeln uns zum großen Abschied. Obwohl es nur ein ganz kleiner Abschnitt einer teils großen Reise war, so war es doch ein bedeutender. Aus Fremden hat sich unter doch teils extremen Bedingungen ein tolles Team zusammen geschweisst. Das macht Reisen aus!

Fazit:

Das Trekking zur Ciudad Perdida, der Verlorenen Stadt, ist ein ganz besonderes Erlebnis für alle, die eine ausgeprägte Abenteuerlust mitbringen, körperlich fit sind, mit einfachsten Bedingungen klar kommen (essen, schlafen, sanitär…) und die mit einem soliden Magen-/Darmtrakt aufwarten können! Wenn es dazu auch noch regnet, wird es völlig uferlos. Wir hatten da totales Glück – bei uns tröpfelte es lediglich nachts. Der Zustand der Wege war aber trotzdem teilweise katastrophal…

Es handelt sich hierbei um eine der größten Attraktionen in ganz Kolumbien, wenn nicht sogar in komplett Südamerika!

Und zuguter Letzt noch zwei interessante Berichte, die einem so richtig Lust auf’s Trekking zur Verlorenen Stadt machen:

Bericht in der Süddeutschen Zeitung vom 04.11.2015

Kolumbien-Blogbeitrag von Petra (Passenger On Earth)

Und zur Erholung nach all den Strapazen…?

…bleiben wir gleich im Anschluss an die Tour noch zwei Nächte in der Cayena Beach Villa. Etwas abseits der Uferstraße und östlich des Tayrona-Nationalparks.

Traumhaft am Strand gelegen - Cayena Beach Villa
Traumhaft am Strand gelegen – Cayena Beach Villa

Nicht so richtig günstig, aber das haben wir uns verdient. Luxus pur mit tollem Pool unter Palmen, einem TOP-Zimmer im ersten Stock mit Blick auf’s Meer. Abends Essen bei Kerzenschein und Grillengezirpe. Es ist warm und gemütlich, wir wissen Toiletten mit Wasserspülung sowie Duschen ganz neu zu schätzen.

Am Pool unter Palmen: Cayena Beach Villa
Am Pool unter Palmen: Cayena Beach Villa

Etwas günstiger und nebenan, gleiche Besitzer: Das La Brisa Tranquila. Ziemlich cooles Backpacker und direkt am Beach.

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