Paleochora – wandern, beachen und relaxen steht eigentlich auf dem Programm – die Wetterverhältnisse bestimmen jedoch die Reihenfolge. Der Herbst verläuft hier heuer bisher sehr unbeständig. Nun ist Flexibilität gefragt: also erkunden wir die kleine Stadt mit ihren beiden völlig unterschiedlichen Stränden, wandern auf die Hügel und durch die Anidri-Schlucht, ein kleines Stück auf dem Fernwanderweg E4 und kundschaften die Strände der Umgebung aus! Und natürlich genießen wir auch die heimischen Spezialitäten 🙂
Nach unseren ersten Stopps in Sougia (Sougia – Gipfel, Schluchten und versteckte Buchten) sowie Loutro und Agia Roumeli – Hike & Swim, ist es nun an der Zeit, sich ein Stück weiter zu bewegen.
Der nun endgültig letzte Morgen in Sougia beginnt nochmals mit einem Frühstück im Lotos. Doch das Aufziehen eines schweren Gewitters lässt uns für die bevorstehende Fahrt mitten durch die Berge Böses ahnen…

Unser Ziel heute ist Paleochora. Auf dem Meer wäre der Ort mit dem Schiff in gut 40 Minuten erreichbar. Mit dem Auto durchs Hinterland verspricht die Fahrt bei diesen Wetterbedingungen allerdings durchaus spannend zu werden.
Abenteuerliche Anreise nach Paleochora, mit einigen Hinternissen…
Der Regen hat inzwischen wieder nachgelassen, wir starten los. Die Sonne kommt raus und zaubert einen wunderbaren Regenbogen in die Landschaft.

Wir stoppen an einer kleinen Kapelle und genießen die Weitsicht.

Eigentlich wäre unser Zwischenziel der winzige Ort Anidri gewesen. Doch nach einer schier endlosen Abfahrt kommt das plötzliche Ende. Es hatte sich bereits angedeutet, aber nun versperrt ein massiver Erdrutsch, mit einem kleinen Bächlein mittendurch, die Straße.

Selbst wenn wir diese Hürde noch genommen hätten, wäre spätestens an der zweite ln Blockade Schluss für uns gewesen. Den hatte ich bereits zu Fuß erkundet. Unser kleiner Seat hätte hier mit seiner viel zu geringen Bodenfreiheit keine Chance gehabt.

Also heißt es umdrehen, sich gefühlt 500 Kurven wieder den Berg hinaufschrauben und schließlich auf einer größeren Hauptstraße weiterfahren. Doch auch diese ist an vielen Stellen mit Geröll übersät.

Nach der abenteuerlichen Fahrt sind wir froh, endlich Paleochora erreicht zu haben. Bei einem ersten Erkundungsgang entdecken wir den Ort, der sich auf einer schmalen Landzunge zwischen zwei Meeresbuchten erstreckt. Beide Seiten haben ihren eigenen Charme, und so lassen wir uns erst einmal treiben, bevor wir uns für eine Unterkunft auf der Ostseite entscheiden.
Check-in in Paleochora
Das Maria‘s Restaurant & Rooms liegt unweit eines kleinen Kiesstrandes, dem Chalikia Beach – genau der richtige Ort, um nach den Strapazen der letzten Stunden erst einmal anzukommen und durchzuatmen.

Hier wollen wir 4 Nächte verbringen. Paleochora kann kommen!

Der restliche Tag wird uns leider immer wieder von heftigen Regenschauern vermiest. Ab dem Nachmittag ziehen kräftige Regenfälle durch. Immer wenn man denkt, jetzt geht’s wieder, schüttet es erneut wie aus Eimern.

Wir unternehmen noch ein paar Versuche mit dem Regenschirm vor die Tür zu gehen, geben aber schließlich auf und verbringen den Abend in unserem Zimmer. Auch nicht schlecht, denn die Aussicht von hier ist auch bei Regenwetter wirklich fantastisch.
Wandertag! Hinauf ins Bergdorf Anidri und durch die Schlucht hinunter zum Beach!
Neuer Morgen, neues Glück! Der Tag startet unerwartet mit fantastischem Wetter! Also schnell hinunter zu unserer kleinen Kiesbucht gleich vor der Haustür und rein ins Wasser für einen Morning Swim!

Ein schnelles Frühstück, und schon geht’s los. Wir stellen den Wagen am Campingplatz von Paleochora ab und machen uns zu Fuß auf den Weg. Unser erstes Ziel ist der kleine Ort Anidri. Dort wollen wir im bekannten Restaurant Old School zu Mittag essen. Anschließend soll es durch die Schlucht hinunter ans Meer gehen. Aber der Reihe nach.
Wanderung hinauf ins kleine Dorf Anidri
Kurz hinter dem Campingplatz beginnt der Wanderweg. Sofort geht es ordentlich bergauf. Der Pfad zieht sich in steilen Serpentinen den Hang hinauf, und mit jedem Höhenmeter wird der Blick zurück eindrucksvoller. Paleochora liegt weit hinter und unter uns auf seiner schmalen Landzunge, eingerahmt vom tiefblauen Meer. Die Küstenlinie zieht sich weit in beide Richtungen, während die weißen Häuser des Ortes langsam kleiner werden. Ein Panorama, für das sich jeder Schweißtropfen lohnt!

Doch der Weg hat es in sich. Immer wieder müssen wir steile Passagen überwinden, bei denen der schmale Pfad durch das felsige Gelände führt. Schließlich erreichen wir den ersten Gipfel auf gut 300 Meter Höhe.

Von hier aus erkennen wir bereits unser nächstes Etappenziel: das kleine Kirchlein Profitis Elias, das etwas weiter vorne auf einem markanten Bergrücken liegt. Dorthin geht es zunächst bergab und auf einem felsigen Steig wieder hoch, mit bester Aussicht hinein in die Anidri-Schlucht.

Oben angekommen, erwartet uns ein grandioser Rundumblick: zurück gen Westen auf den 302 Meter hohen Mini-Gipfel Papoura, den wir eben überschritten haben; im Süden hinunter über die Anidri-Schlucht hinweg zum Meer; und nach Nordosten in die hohen Berge, zu unserem – angedachten – Anreiseweg, auf dem wir gestern ja grandios gescheitert waren.

Noch immer dröhnt von dort das Scharren und Kratzen der schweren Räumfahrzeuge herauf, die die Schlucht-Straße wieder von den Geröllmassen befreien müssen.

Der Abstieg nach Anidri ist dann einfach. Es geht auf einem relativ gepflegten Pfad hinunter ins Dorf.
Mittagessen im Old School
Dort steht gleich das nächste Highlight an: die Einkehr ins hochgelobte Restaurant „Wunderschöne Terrasse im „Sto Scolio“ bzw. „Old School“. Die alte Dorfschule wird seit vielen Jahren (1995) als Restaurant betrieben und wurde uns u.a von meinem alten Kumpel Martin (Kreta-Experte seit 30 Jahren, siehe vorletzter Bericht über Sougia) wärmstens empfohlen!

Man sitzt hier in einem wunderschönen Garten mit grünem Blätterdach. Dieses besteht im Grunde aus der herrlich duftenden Blütenpracht eines einzigen Bäumchens, welches die Terrasse überspannt. Gratis dazu gibt’s einen Panoramablick hinunter in die Schlucht.
Wir haben ordentlich Appetit. Ab zwölf Uhr öffnet die Küche, und wir bestellen Bier und Lamm.

Beides ist absolut hervorragend!
Abstieg durch die Anidri-Schlucht zum Meer
Mit vollem Magen steht nun der Abstieg durch die Anidri-Schlucht an. Das wird deutlich spannender als gedacht!

Der Weg erweist sich nämlich, wohl auch aufgrund der heftigen Niederschläge der letzten Tage und Wochen, als ausgesprochen anspruchsvoll!
Immer wieder müssen wir größere Wasserstellen umkraxeln. Die blockigen Felsen sind glitschig und mit einer dünnen Schlammschicht überzogen.

So brauchen wir stolze eineinhalb Stunden für den Weg hinunter zum Meer!
Angekommen am Anidri- und am Gialiskari-Beach
Der Strandbereich teilt sich grob gesagt in zwei Hälften, die vom Geröll-Auslauf der Anidri-Schlucht getrennt werden: der westliche Teil besteht vorwiegend aus grobem Kies und hat quasi keinen Bewuchs.

Im östlichen Teil, genannt „Gialiskari Sandy Beach“ oder auch „Anidri-Strand“, wurden vor einigen Jahren Tamarisken gepflanzt. Diese verleihen nun dem ganzen Areal einen ausgesprochen hübschen grünen Touch.

In beiden Bereichen gibt es Strandbars. Der hintere Teil des Anidri-Strands ist FKK-Bereich. Wir lassen uns im „weicheren“ Teil des Sandy Beach nieder und verbringen dort noch zwei sonnige Stunden. Dem Wasser sieht man an, dass in den vergangenen Tagen einiges hineingespült wurde. Egal, ist alles schließlich „Bio“ 😉
Dann geht’s auf der eher langweiligen Zufahrtsstraße zurück zum Campingplatz, wo unser Auto geparkt steht.

Köstlich speisen bei Maria
Abends gehen wir bei unserer Gastgeberin Maria essen. Wir nehmen Red Snapper und Oktopus.

Beides ist absolute Klasse.

Anschließend genießen wir den nochmals lauen Abend und schlendern noch eine Runde durch Paleochora.
Nach dem Regen ist vor dem Regen. Wir erkunden die Strände westlich von Paleochora.
Der Morgen startet bereits mit schwerer Bewölkung. Doch davon lassen wir uns nicht abschrecken.

Erst mal geht’s zum Frühstück in der angesagten „Anatoli Bakery“ an der westlichen Strandpromenade.

Dann zügig hinauf zum Castell, wo uns bereits die ersten Regentropfen einholen.


Anschließend noch ein Blick hinein in die Griechisch-Orthodoxe Kirche von Paleochora.


Das ignorieren wir aber erst mal und starten mit dem Auto los zu einer kurzen Spritztour zu den Stränden westlich von Paleochora.
Kurze Strandtour zu den westlich gelegenen Stränden
Erster Stopp: der Grammeno Beach. Eigentlich recht hübsch, doch bei dieser Wetterlage kann er seine Reize leider nicht so ganz ausspielen…

Ein zweiter Strand steht noch auf dem Programm. Hinter der Ortschaft Koundoura befindet sich mit dem Krios Beach der letzte mit dem Wagen anfahrbare Strand an dieser Küstenlinie. Hier treffen wir auch wieder auf den Wanderweg E4. Von hier aus könnte man in fünf Stunden zu den rosa Stränden von Elafonisi laufen. Sehr hübscher Strand – allerdings sind die Planendächer der Gewächshäuser an der Berghängen im Hintergrund schon recht dominant..

Heute macht das allerdings wenig Sinn, denn inzwischen setzt ziemlich starker Regen ein. Also schnell wieder ins Auto, auf dem direkten Weg brausen wir zurück in unser Hotel.
Kleines Fazit: eine Unterkunft würden wir uns in dieser Gegend nicht suchen, die Ortschaften haben uns nicht überzeugt. Die beiden Strände sind aber trotzdem einen Ausflug wert.
Der Rest des Tages…?
…relaxen im Zimmer, und vor allem diesen Bericht schreiben.
Draußen tobt der Weltuntergang, es schüttet wie aus Eimern, nun kommt auch noch ein Gewitter hinzu. Wir sind gespannt, wie sich das an den Straßen auf den kommenden Touren widerspiegelt!
Irgendwann lässt der Regen endlich nach, und schon zieht es uns wieder vor die Tür. Am Meer erwartet uns eine wildromantische Stimmung. Der Wind ist noch immer kräftig und treibt mächtige Wellen heran, die donnernd am Strand brechen. Darüber ein fantastisches Wolkenspiel, das sich ständig verändert und immer neue Stimmungen zaubert.

Und tatsächlich: Zwischen den Wolken gelingt sogar noch ein Sonnenuntergang!

Ein Blick in die andere Richtung hält die nächste Überraschung bereit. Hoch oben in den Weißen Bergen erkennen wir tatsächlich frischen Neuschnee.

Zum Abschluss geht’s noch in die Pizzeria. Damit endet ein Tag, der wettertechnisch so einiges zu bieten hatte.

Der letzte Tag bringt nochmals gutes Wetter!
Und das nutzen wir aus! Heute wieder Morning Swim bei Sonnenschein. Auch wenn sich die Sonne um dieses Jahreszeit etwas schwer tut – auf unserem nach Osten ausgerichteten Balkon heizen wir nach dem morgendlichen Bad im Meer früh gleich wieder richtig hoch!

Ein kleines Stück Richtung Elafonisi
Heute geht’s noch einmal zum Krios Beach. Wir wollen ein kleines Stück in Richtung Elafonisi wandern und parken den Wagen direkt vor dem Strand – nicht ohne ihn zuvor, beim Durchfahren einer Furt, noch einmal komplett eingeschlammt zu haben. Der gestrige Regen hat da so einiges hinuntergespült…

Über den Strand geht’s los. Am hinteren Ende führt der Fernwanderweg E4 steil hinauf bis zum Kap Krios. Bereits von dort können wir in der Ferne Elafonisi erblicken.

Anschließend geht’s steil hinunter zu den beiden Doppelstränden „Ancient Limnaki“ beziehungsweise Vienos Beach.

Hier hat man bei Ausgrabungen Relikte eines alten Hafens entdeckt. Davon ist heute allerdings nicht mehr viel zu erkennen.

Ein Stückchen wandern wir noch weiter bis zur kleinen Kapelle Agios Ioannes. Bis hierher haben wir etwa ein Drittel des Weges nach Elafonisi zurückgelegt.

Nun wird uns allerdings der Nordwind zu stark und zu kalt, und es ziehen bereits wieder erste dunkle Wolken auf. Also drehen wir um.
Lustig aussehende Ziegen sind hier ebenfalls unterwegs. Hier ein Exemplar im Hippie-Look:

Etwa eine Stunde später sind wir zurück am Krios Beach – diesmal bei Sonnenschein!

Ein Sprung ins Meer am Krios Beach
Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen und schwimmen noch ein gutes Stück am Strand entlang auf und ab. Der einsetzende Nieselregen treibt uns schließlich zurück ins Auto, und wir fahren wieder nach Paleochora.

Den kleinen Schauer sitzen wir in der Castello Bar aus.

Und dann wartet noch ein echtes Highlight auf uns: vor den Bergen im Hinterland spannen sich wunderschöne Regenbögen über den Himmel.

Abschluss-Abendessen im Avli
Und nochmals ein Top-Tipp von oben genanntem Kumpel Martin. Ausgezeichneter Oktopus und gegrillter Thunfisch, große Portionen, nettes Personal – beim nächsten Besuch in Paleochora kommen wir gerne wieder!

Das war’s dann in dieser kleinen Stadt für dieses Mal. Prima Ausgangspunkt zum Wandern, Baden, Speisen oder einfach nur Relaxen.
Nun geht’s weiter nach Falasarna, ganz in den Westen. Eine Nicht haben wir dort geplant, bevor wir unseren Kreta-Besuch mit weiteren drei Tagen in Chania abschließen werden. Mehr dazu im nächsten, und letzten Bericht!
Wie immer bei unseren Berichten: Nichts hier ist als Werbung zu betrachten. Sämtliche Nennungen von Örtlichkeiten etc. dienen ausschließlich der Beschreibung unserer Reise; alles wurde selbst bezahlt.









